Kapitel 4

In dem ich mich im Willen der Geister verirre

Nackte Vergangenheit, nur in die Fingerkuppen verbannt, findet oft zur falschen Zeit in unsere scharrenden Seelen zurück, verfängt sich wirr in Zweigen verknoteter Emotion. Als hätte der Wind alles mit sich genommen, das wir einmal zu wissen glaubten, sitzen wir nun auf grauem Boden und starren in den leeren Horizont. Als wollte das Universum Vergänglichkeit beobachten, sperrt es meinen Geist in ein enges Gefäß, um ihn schimmeln und faulen zu sehen.

241 N.TH. – 2639 N.CHR. – DIE QUALLENPHASE – 13. UMBRUCH
24. – 26. JANUAR

»Ich denke, etwas hat uns aufgehoben und konserviert, vor so langer Zeit. Kein Mensch und kein Tier, keine Seele, kein Wächter und kein Kern. Nein, ich denke, es war der aus dem Leben heraus geborene Wunsch zu überleben und zu leben. Er hat uns aufgelesen und aus düsteren Zeiten gelockt.«

Seine Worte in meiner Erinnerung. Ebenen toter Gefühle, Schluchten tiefster Sehnsucht haben wir überquert, um am Ende an diesem Ort stehen zu können, an dem das Er und das Ich in einem Strudel aus Liebe und Hass verschwimmen, bis wir eine Einheit bilden; bis wir gleichzeitig zwei Seiten einer Medaille sind, die sich uns als Gerechtigkeit verkauft und doch nur Leid über unsere nackten Körper schüttet.

Heute weiß ich, dass keines der Worte, die ich für uns gebraucht habe, der Wahrheit entsprach, denn kein Wort ist so alt wie wir, keins von ihnen kann unsere Seelen einfangen.

Ich erinnere mich an einen Wintertag. Wir sitzen dicht aneinander gedrückt im Schnee und erzählen uns Geschichten von früher, die unsere Herzen wärmen, während unsere Wangen frieren. Die Finger in löchrigen Handschuhen verborgen reicht es mir aus, ihn an meiner Seite zu haben, selbst wenn alles andere fehlt. Als könnte ich manchmal diesen Keil zwischen uns einfach vergessen, der ein so tiefes Tal zwischen uns gegraben hat, dass wir einander auf der jeweils anderen Seite bereits kaum mehr sehen können.

Es ist der Moment, der sich über diese Täler legt und eine Brücke schafft, die uns verbindet. Es sind die Augenblicke, an denen meine Wange die seine streift und wir nichts als das Jetzt spüren wollen, nicht die Ewigkeit. Denn manche Dinge sind nur gut, weil wir wissen, dass sie enden.

Für uns gibt es kein Sterben und doch endet es. Immer und immer wieder mit gebrochenen Herzen, splitternden Körpern und Tränen in Augen, die nie vergehen.

Wann bist du wieder hier, um all die Tränen zu trocken, die meine Seele weint? Wann bist du wieder hier, um bunte Momente an die graue Leinwand meines Lebens zu malen? Um deine Stimme mein Herz reanimieren zu lassen?

A’en.
Ich weiß, dass ich nicht ewig der Trauer erliegen kann, weil sie niemanden weiterbringt, doch die ewige Tristheit der Landschaft, durch die wir wandern, kann mich nicht von der Düsternis meiner Gedanken ablenken und so schweife ich wieder und wieder in ihnen hinfort. Und wie in einem Traum wache ich immer wieder auf, bis ich vergessen habe, dass diese Welt unter meinen Füßen die Wirklichkeit ist.

Es sind zwei Tage seit unserer letzten, langen Rast an diesem Regentag vergangen und inzwischen gleicht mein Gehen mehr einem Taumeln durch den Matsch und den Dreck, den der Regen auf die Straße gespült hat. Und so oft Ciar auch betont, dass wir unser Ziel in wenigen Tagen erreichen würden, der graue Himmel und der zerrende Wind zehren an meinen Kräften, laugen mich vollkommen aus, und nur der eiserne Wille treibt mich voran, lässt mich die Schmerzen in den geschundenen Füßen ignorieren und meine Augen fortwährend nach dem Meer suchen, das ich schon seit Tagen vergeblich zu sehen hoffe.

Nach dem Meer, in dem sich mein Herz verbirgt.

Abtrennung

Die Nacht ist hereingebrochen und noch immer irritiert es mich, dass sie so wenige Geräusche mit sich bringt. Nicht das Summen umherschwirrender Insekten, nicht die leisen Rufe von Eulen aus der Ferne. Nicht einmal das Rascheln von Blättern und Gras belebt die dunklen Stunden des Tages. Nein, hier höre ich nur den Wind, der durch die Winkel der Ruinen schleicht, der meine Haare durcheinander bringt, kurz eine Staubwolke aufwirbelt und vor das Nachtlicht scheucht, das wir vor uns aufgestellt haben, und dann wieder verschwindet. Nur das vereinzelte Tropfen von Wasser ist zu vernehmen, denn immer wieder huschen Regenschauer über das Land und in allen Ecken und Winkeln sammelt sich Feuchtigkeit.

Ich sage mir immer wieder, dass es dumm ist, in dieser Entfernung schon auf das Meeresrauschen zu lauschen, zu hoffen, das Tosen der Wellen zu hören, den salzigen Geruch zu vernehmen. Aber noch ist Marbella über acht bis neun Tagesmärsche entfernt und ich zweifle Tag für Tag mehr daran, dass ich es bis dorthin durchhalte.

Wenn mein Körper doch nur stärker wäre, meine Glieder nicht so ausgezehrt und zerbrechlich. Aber nun kann ich auch nichts mehr daran ändern. Nur die Stunden genießen, die ich in Frieden verbringen kann. Am liebsten würde ich den ganzen Tag über schlafen.

»Wir werden aber nicht direkt bis zur Meerenge gehen«, verkündet Ciar gerade und schenkt mir noch etwas von dem warmen Wein in meinen bereits schon wieder geleerten Becher. »Dort befindet sich, wenn man der Karte glauben kann, irgendwo diese weiße Stadt, die wir wohl besser meiden sollten.«

»Ja, das hast du schon gesagt«, nuschle ich unsicher und nehme einen weiteren Schluck, der eine angenehme Wärme in meiner Kehle und meinem Körper verbreitet. Die weiße Stadt ist zumindest nach Glens Einschätzung wohl einer der gefährlichsten Orte der Welt, auch wenn sich er und die anderen aus der Kolonie nicht einmal sicher sind, ob dort überhaupt jemand lebt. Vor vielen hundert Jahren war sie eine der Städte, die im Himmel gebaut wurden, wo sich inzwischen die Hochkultur der Menschheit befindet, fern von uns, die hier unten noch immer mit der Rettung des Planeten beschäftigt sind. Vor über 200 Jahren soll sie dann vom Himmel gefallen sein, ohne, dass sich jemand die Mühe gemacht hätte, sie wieder in die Luft zu erheben. Seitdem machen alle einen großen Bogen um dieses Gebiet und wir werden es ebenso halten.

»Alles in Ordnung?« Ciars Stimme klingt besorgt und ich nicke etwas versonnen, meine Augen fortwährend in das warme Türkis der Lampe gerichtet, die uns nicht nur Licht, sondern auch Wärme spendet. Der Mond ist hinter den Wolken nicht zu sehen und bereits seit mehreren Stunden sitze ich allein mit dem Wächter unter dem abgesunkenen Dach einer Hausruine, das uns einen Unterschlupf vor dem Nieselregen bietet. Manjana, Liam und Purnima sind schon vor einiger Zeit ins Bett gegangen. Und so eigenartig es ist, dass ich nun allein mit meinem ehemaligen Bediensteten hier sitze und Geschichten austausche, fühle ich mich von Schluck zu Schluck des köstlichen Weines wohler.

Eine schläfrige Stimmung hat sich in meinem Bauch ausgebreitet und immer wieder fahre ich mir über die Stirn, kremple sogar die Ärmel meiner Schutzjacke nach einiger Zeit hoch, weil mir unnatürlich warm ist. Das Metall meines rechten Arms, des Amplikts, das mir nach meiner Ankunft in dieser Welt hier angebracht wurde, schimmert gespenstisch. Dieses fremde Bild nimmt mich vollkommen ein.

»Ich hab noch nie so viel Alkohol getrunken wie heute«, lächle ich.

»Du hast darauf bestanden«, lacht er dumpf und schenkt sich selbst noch etwas ein. Er wirkt im Gegensatz zu mir alles andere als angetrunken.

»Habe ich das?«, seufze ich und mein Körper rutscht ein Stück zur Seite, bis mein Kopf an seine Schulter gleitet und ich die Augen schließe. Der Stoff unserer Jacken raschelt leise und niemand sagt ein Wort.

»Du hast mein Leben zerstört«, stelle ich irgendwann stirnrunzelnd fest und kann noch immer nicht begreifen, wie ich mich trotzdem an der Seite dieses Verräters so wohl fühlen kann. Der Regen setzt wieder ein und wirkt mit seinem leisen Prasseln zusätzlich beruhigend, einnebelnd.

»Nur das letzte«, murmelt er, doch ich schüttle den Kopf.

»Nein, jedes.«

»Das liegt in meiner Natur«, seufzt er. Seine Stimme wirkt so beherrscht, wie ich es von ihm kenne, und sie erschafft hundert Bilder in meinem Kopf. Wie er mich morgens aus dem Schlaf weckt, um mich zum Frühstück zu holen, wie er mich besorgt mustert, weil ich wieder einmal zu lange weggeblieben bin, ohne ihn anzurufen. Wie er mir mit einem leidenden Lächeln die Welt erklärt und sich im Handumdrehen um alles kümmert, das mir Probleme bereitet, obwohl er nur wenige Jahre älter ist als ich.

Es ist, als hätte er zwei Gesichter. Und ich bin sicher, dass der Mann, der nun neben mir sitzt, nicht dasjenige trägt, das ich hasse.

»Du könntest wenigstens um Entschuldigung bitten«, flüstere ich müde, doch er lacht nur, ohne darauf einzugehen. »Erinnerst du dich an den Tag, als ich mit Calla zum Tanzen gegangen bin und mein Handy nicht bei mir hatte?«, flüstere ich die Erinnerung, die mir kommt, als sein Duft in meine Nase steigt.

»Ja. Ich bin durch die ganze Stadt gefahren, um dich zu suchen.«

»Hast du dir wirklich Sorgen um mich gemacht?«, frage ich, als ich spüre, wie seine Hand nach meiner tastet und sie zu sich zieht. Alles um mich herum ist so warm, also lasse ich es geschehen und genieße die Berührung auf eine so unbekannte Weise.

»Ich denke schon«, überlegt er leise, seine Worte säen ein unbestimmtes Kribbeln in meinen Bauch und ich richte mich wieder ein Stück auf, möchte mich aufrechter hinsetzen. Er jedoch legt seinen Arm um meine Schultern, um mich wieder an sich zu ziehen, einen Kuss auf meine Schläfe zu drücken und mir ein »Ich bin dir so gern nah« ins Ohr zu hauchen, das mich schaudern lässt.

»Ich denke nicht, dass das …«, setze ich an, kurz bevor er seinen Mund vorsichtig auf meine Lippen drückt und ich erschrocken zurückzucke. Nur ein kleines Stück, sodass ich ihn fragend ansehen kann. Und er mustert mich mehr interessiert als verärgert, wie ich es erwartet hatte.

»Das ist so ein Unsinn«, flüstere ich. Er beugt sich wieder zu mir vor, um mich abermals zu küssen und dieses Mal schließe ich die Augen für einen Moment, denn die Berührung bringt verirrte Erinnerungen an A’en mit sich, die nicht in diese Szene passen.

»Ist es nicht«, haucht sein warmer Atem für einen winzigen Moment, in dem er sich von mir löst, bevor er wieder näher an mich heranrückt und eigenartiger Schwindel meine Gedanken ergreift, als ich meine Finger ausstrecke, um ihn zu berühren und doch innehalte.

»Nein«, murmle ich und rücke ein Stück von ihm ab, versuche, mich hinzuhocken, doch alles dreht sich, ich schwanke nur und finde keinen Halt.
»Hey, alles ist gut«, lächelt Ciar beruhigend und streckt seine Finger nach mir aus. Ich schiebe mich noch ein Stück von ihm fort und wische meinen Mund mit dem Handrücken ab, schüttle fast schweren Herzens den Kopf.

»Nein, du … hast mich betrunken gemacht«, sage ich um Deutlichkeit ringend und rapple mich nur unter Mühen auf. Alles um mich herum nehme ich nur so verschwommen wahr, dass ich seinen enttäuschten und gereizten Blick kaum bemerke und stattdessen meine schmerzenden Füße dazu bewege, mich in Richtung des Hauseingangs zu schleifen.

»Warte«, sagt der Wächter hinter mir, doch ich versuche, keine Zeit damit zu verschwenden, mich umzudrehen. Ich kann mich nicht mit ihm abgeben, so sehr es mich auch nach Nähe verlangt. Es ist ein so eigenartiges Gefühl, diese Empfindung vor mir selbst zuzugeben, dass mir übel wird.

Ich befeuchte meine trockenen Lippen und trete in die widerhallende Dunkelheit des Vorbaus, hinter dessen nächster Tür die Zelte untergebracht wurden, doch Ciar hat mich schnell eingeholt und greift nach meiner Hand.

»Nein«, höre ich mich mit Nachdruck fauchen und entreiße sie ihm. Es ist so finster, dass ich kaum sein Gesicht erkenne, als ich zu ihm aufschaue. »Du willst doch überhaupt nichts von mir. Also lass mich in Frieden.«

»Das liegt in meiner Natur«, flüstert er und plötzlich liegt eine tiefe Bedrohlichkeit in seiner Stimme, ein angsteinflößender Unterton, der mir eine Gänsehaut auf die Arme jagt. »Der Kern hat mich süchtig nach dir gemacht.«

»Ich weiß«, nuschle ich, noch immer mehr als alles andere darum bemüht, die Klarheit meiner Gedanken zurückzubringen. »Unterdrück das einfach.« Ich will weitergehen, doch wieder packt er mich am Arm, dieses Mal so fest, dass ich mich nicht mehr von ihm befreien kann. Mit einem Ruck zieht er mich wieder näher an sich heran. Ich weiß kaum, wo mir der Kopf steht und schließe die Augen, als könne ich so alles ungeschehen lassen. Nein, was will er nur von mir? Wie konnte ich es so weit kommen lassen, es war doch gerade alles noch so gut.

»Von wegen einfach«, faucht er und kommt mir wieder viel zu nahe, ich drehe meinen Kopf weg und rufe nach Liam, der gleich hinter der Tür in seinem Zelt liegen muss.

»Ruhe!«, zischt Ciar und drückt mir die Hand auf den Mund, ich kralle meine Fingernägel in seinen Arm, als er mich grob wieder nach draußen zerrt, und trotzdem gibt er nicht nach, bis es mir gelingt, meinen Mund zu befreien.

»Liam!«, schreie ich so laut ich kann und noch während ich mit allen Kräften versuche, mich gegen Ciar zu stemmen, höre ich erleichtert das Poltern von Schritten, und im Rausch des Alkohols läuft alles so schnell ab, dass ich es kaum mehr wahrnehme.

Eine dünne Hand zerrt an mir, nachdem Ciar mich losgelassen hat; ich taumle Manjana hinterher, die mich beschützend in die Dunkelheit des Hauses zieht, sich zu mir umdreht und auf mich einredet, aber ich verstehe kein Wort. Alles geht in Purnimas Schrei unter, auf den ein dumpfer Schlag folgt, ein Scheppern, als die Lampe zerbricht und mit ihr das letzte Licht verschwindet.

»Lass ihn in Ruhe!«, ruft Nima aus einigen Metern Entfernung, offenbar an Liam gewandt, und ich schüttle den Kopf. Schüttle den Kopf, weil ich nicht verstehe, wie aus der Ruhe der letzten Tage so etwas hier entstehen konnte. Ich verstehe es einfach nicht.

Und das Chaos nimmt kein Ende, das unterdrückte Stöhnen von draußen, als die beiden Männer miteinander ringen, immer wieder unterbrochen von Nimas verzweifelten Rufen und Janas Fragen danach, wie es mir ginge und was geschehen sei.

Keine Antwort. Ich möchte nur die Hände auf meine Ohren pressen, die Augen schließen und versuchen, mich an einen anderen Ort zu bringen, meine Gestalt in etwas zu zersetzen, das fortfliegen kann. Warum geht es nicht? Warum?
Ich stoße einen wütenden Schrei aus, wirble herum und stürze abermals in die Dunkelheit hinaus. Und als ich aus ganzem Leibe das »Hört endlich auf!« aus meiner Kehle presse, durchzuckt ein Lichtblitz die Szenerie und bleibt weiß in der Luft hängen wie eine Drohung aus hundert wirbelnden Partikeln.

Die beiden Männer sind in ihrer Bewegung erstarrt und selbst Purnima, die etwas geknickt neben ihnen steht, sieht mich mit großen Augen an.

Ich atme schwer, schütte den Kopf, schaue ausdruckslos in die Runde.

»Es tut mir leid«, sage ich leise und sehe nun die beiden Wächter direkt an, die langsam voneinander abrücken, beide mit sehr düsteren Blicken. »Warum passiert das alles?«, frage ich eher an mich gewandt als an die anderen und sehe aus dem Augenwinkel, wie Manjana neben mich tritt.

»Du blutest«, murmelt sie und reicht mir ein Tuch, das ich irritiert in meine zitternden Finger nehme. Erst jetzt spüre ich den metallenen Geschmack auf meinen Lippen und tupfe mir vorsichtig das Blut von der Nase und aus den Mundwinkeln.

Was ist passiert? Es ist doch nichts passiert.

»Komm, setz dich«, sagt sie mit vorsichtiger Stimme. Ich denke, dass die Worte an diesem Abend die ersten sind, die ich seit Tagen und Wochen aus ihrem Mund höre. Warum spricht sie plötzlich?

Ich folge ihrer Anweisung unwillig und doch kann ich mich nicht gegen die sich auf meine Schultern legenden Hände wehren, weil mir die Übelkeit in der Kehle sitzt, der Schwindel im Kopf und schwächer, als ich es mir eingestehen will, lehne ich mich an die bröckelige Wand hinter mir, als ich wieder auf dem kalten Boden hocke.

»Es tut mir wirklich leid«, murmle ich, auch wenn ich weiß, dass es allen Anwesenden vermutlich mehr als egal ist, wie es mir geht und was ich denke. Ich weiß nicht einmal, warum sie mich überhaupt noch begleiten, diese zerstörten Wächter. Einerseits bin ich froh, nicht allein zu sein, andererseits bin ich so fremd und andersartig in ihrer Mitte, dass ich mich trotz ihres Hierseins einsam fühle.

Das Tuch von meiner Nase nehmend betrachte ich das Blut, das sich darin gesammelt hat, im fast surrealen Licht, das ich geschaffen habe. Und als es mir langsam aus den Händen gleitet, bleibt nur die Kreisfläche auf der Innenseite meiner linken Hand, die sich dort eingebrannt hat, seitdem der Kern mich berührt hat. Blutrot wie auch die Kreise, die er selbst dort trägt.

Warum sind sie dort und warum sind wir hier?

Ich verstehe das alles nicht.

Abtrennung

Es ist gemütlich und weich in meinem Zelt zwischen all den Decken, in die ich mich gewickelt habe. Und trotzdem kann ich nicht aufhören zu denken, kann nicht aufhören, mich von einer Seite auf die andere zu wälzen und mit meinem Körper auch immer wieder die schlaflosen Gedanken zu wenden.

Ich fühle mich schlecht, auch wenn ich nicht weiß, ob ich zu Recht so empfinde. Mir fehlen die Menschen, mit denen ich mich darüber austauschen kann, denn hier lauern nur die verständnislosen Seelen der Wächter, die nicht beeinflussen können, wie sie sind. Deren Verhalten so vorhersehbar ist, dass sie kaum mehr sind als starre Gebilde, die nicht mehr können, als versuchen, sich anzupassen.

Ciar. Ich bin so dumm, dass ich noch immer denken möchte, er wäre ein normaler Mensch; dass ich versucht habe, es zu denken und ihm vertraute, in der Hoffnung, den Trost meiner alten Welt an seiner Seite zu finden. Dabei kann er nicht anders empfinden und nicht anders handeln, als es ihm vom Kern in den Geist gelegt wurde. Wie ein Programm, das, wenn es einmal läuft, nicht mehr geändert oder angehalten werden kann. Vielleicht kann ich ihm genau aus diesem Grund auch noch immer nicht böse sein. Deswegen sollte ich ihm nicht böse sein. Ich sollte nur die Angst ablegen und versuchen, ihm nicht mehr allein über den Weg zu laufen.

Dabei möchte ich mich nicht zurückhalten. Ich möchte nicht mehr beschränkt werden, nicht mehr eingeengt von irgendjemandem, der sich System nennt und denkt, über mich bestimmen zu dürfen. Dabei möchte ich laufen, rennen, rennen, immer weiter und weiter, bis meine Füße mich im Stich lassen und ich falle, um nie wieder aufzustehen. Vermutlich wäre jeder Tod besser als dieses hoffnungslose Dahinsiechen.

Abtrennung

Wenn wir uns gedulden, werden wir irgendwann ein Teil dessen, was uns umgibt. Wenn der Atem irgendwann nicht mehr ist, als ein Geräusch unter vielen, das sich harmonisch in den Klang der Natur mischt. Wenn der Geruch der Haut der Geruch des Nebels und des Waldes wird, wenn das Flüstern der Stimmen sich irgendwo zwischen dem Moor und dem grauen Himmel verliert und sich mit dem Murmeln der Tiere und Vögel vermengt.

Ruhe zwischen uns. Ich sammle Moos und lege es auf deinem Körper ab, während du schweigend in deinem Buch liest, ohne mir einen Blick zu schenken; bis du irgendwann deine Finger ausstreckst, um nach meiner Hand zu greifen.

Ich küsse deinen Hals, lasse mich neben dich gleiten, um in die warme Tristheit der Wolken zu schauen. Neben der stillen Harmonie der Natur sind all die lauten Leben mit ihren Problemen auf einmal so nichtig.

Schweigen. Manchmal ist es fast, als hätten wir zu sprechen verlernt. Ich fühle mich nur wie eine blasse Figur in einem verschwommenen Bild, doch das reicht mir aus, für diesen Moment. Vielleicht reicht es mir auch für immer; einfach neben dir liegen und in der Welt aufgehen – und die Welt in mir aufgehen lassen.

Abtrennung

Als ich an diesem Morgen mein Zelt öffne und müde herauskrieche, scheinen die Wächter bereits seit einiger Zeit wach zu sein, denn es riecht nach Frühstück und Tee. Liams Haare tropfen noch vor Wasser, ebenso wie seine Regenjacke, die er sich mit Manjanas Hilfe von den Schultern streift, um sie dann über eine Stuhllehne zum Trocknen zu hängen. Ciar und Nima sind nur halb durch die offenstehende Tür des Nebenraumes zu sehen und trotzdem erkenne ich das geschwollene, blau verfärbte Auge des Wächters, das ihm William gestern zugefügt haben muss. Im Gegensatz zu ihm scheint der Blonde jedoch keine sichtbaren Verletzungen zu haben.

Ich schiebe mich umständlich aus meinem Zelt und krabble wenige Meter auf die Decken zu, die wir uns als Sitzgelegenheit drapiert haben. Der Teppich ist hart und die Möbel alt, verrostet oder morsch. Ich grüße alle mit einem gemurmelten »Guten Morgen«, nachdem ein Blick auf den Orbit mir verraten hat, dass es bereits nach neun Uhr ist. In den letzten Tagen sind wir meist noch vor dem Sonnenaufgang aufgebrochen, doch das unaufhörliche Prasseln des Regens an den Fensterscheiben und das entfernte Donnergrollen verraten mir bereits, warum wir noch hier verweilen.

»Wir können heute nicht weitergehen«, erklärt William im gleichen Moment. »Der nächste Unterschlupf liegt einen Fußmarsch von neun Stunden entfernt. Bei unserem Tempo vermutlich sogar eher zehn bis elf Stunden, aber bei dem Wetter dürften wir nicht einmal die Hälfte schaffen.«

»Also bleiben wir den ganzen Tag hier?«

»Bleibt uns nichts anderes übrig.«

Manjana schiebt mir einen dunklen Becher mit Tee über den Boden zu, den ich dankend entgegennehme. Das Material, aus dem er besteht, ist bereits von einigen Rissen durchzogen, durch das ein wenig von der heißen Flüssigkeit dringt, also wickle ich ein Tuch herum und nehme einen ersten, vorsichtigen Schluck.

»Gibt es auf dem Weg keine anderen Siedlungen, in denen wir unterkommen könnten?«

»Nicht, soweit wir wissen.«

»Hm.« Ich würde gern etwas sagen, das meinen Ärger zum Ausdruck bringt, aber mir fällt nichts ein, denn für das Wetter kann ich weder mich noch jemand anderen beschuldigen. Aber ich hasse es, festzusitzen. Nicht nur, weil die Stadt und das Haus so heruntergekommen sind, nicht, weil ich mich eingesperrt oder angekettet fühle. Nicht einmal unbedingt, weil wir so weitere Tage verschenken, in denen wir A’en hätten näherkommen können. Nein, vor allem, weil es mir schaudert, wenn ich daran denke, mit dem Mann aus dem Nebenzimmer auf diesem engen Raum eingeschlossen zu sein, unfähig, in irgendeine Richtung vor ihm zu fliehen. Das macht mir die meiste Angst.

»Konntest du einigermaßen gut schlafen?«, möchte Manjana wissen und wieder klingt sie so besorgt wie gestern Abend. Es verwundert mich, diese Art von Mitgefühl in ihrer Stimme, ihren Zügen zu erkennen, denn in Hunderten von Leben hat sie mich gejagt, um mich zu töten, in Hunderten von Jahren habe ich sie als etwas Böses empfunden. Nun, da sie mir jedoch nichts mehr anhaben kann und ich Zeit mit ihr verbringe, bemerke ich, dass es nie ihre Absicht gewesen sein kann, mir etwas Böses zu tun. Sie wollte mich tilgen, ja. Aber nicht, weil sie es tun wollte, sondern weil sie musste, weil es keinen anderen Grund für ihre Existenz gibt.

»Ja«, antworte ich knapp, auch wenn es eine Lüge ist. Die Wahrheit würde es auch nicht besser machen.

Bereut sie es? Ich schaue in ihre mir ausweichenden Augen, beobachte ihre ruhigen Bewegungen, in denen sie ihr langes Haar ordnet, und versuche zu erkunden, was sie wohl denken mag. Wie kann jemand wie sie Mitleid mit seinem Opfer empfinden? Andererseits konnte es ihr Vater, der Kern, auch. Ich erinnere mich noch immer an seinen freundlichen, aber entschlossenen Blick, an seine weichen Augen.

»Könntet ihr mir einen Gefallen tun?«, frage ich einem Impuls folgend meine beiden Gesprächspartner und nehme einen weiteren Schluck des süßen Früchtetees, als sie beide zu mir aufschauen. »Könntet ihr vielleicht Acht auf Ciar geben? Ich würde mich hier gern etwas umsehen, aber ich habe Angst, dass er mir folgt.« Auch wenn ich meine Stimme gesenkt habe, muss Ciar meine Worte vernommen haben, denn als ich prüfend zu ihm hinüberschaue, sieht er von seinem Essen auf und funkelt mich ungehalten an.

»Ich kann mitkommen, wenn du möchtest«, bietet Liam an, doch ich schüttle abrupt den Kopf.

»Nein, ich … würde eigentlich gern ein wenig allein sein.« Beide schweigen auf diese Offenbarung hin kurz, sodass ich rasch anfüge: »Ich kann aber auch hier bleiben, ich will keine Umstände machen.«

»Ist schon gut«, beschwichtigt mich Manjana jedoch sofort, bevor sie eine Hand auf Liams Unterarm legt. »Wir regeln das schon.«

»Ich würde mich über eine erneute Gelegenheit, ihm eins zu verpassen, sogar freuen«, scherzt der Blonde überraschend. Ich habe noch nie gehört, dass er einen Witz gemacht hätte, dachte nicht einmal, dass er dazu in der Lage wäre. Trotzdem lache ich amüsiert.

»Sei nicht zu hart zu ihm«, schmunzle ich. »Er kann nichts dafür, dass er so ist, wie er ist.« Und trotzdem bin ich ihm unbeschreiblich dankbar für seine unerwartete Hilfe, auch wenn mir die Angst vor Verrat im Hinterkopf schwebt; auch wenn ich weiß, dass diese vier Personen, die mit mir reisen, eigentlich die letzten sein sollten, denen ich in diesem Universum vertraue. Sie sind besser als niemand. Und das muss reichen.

Abtrennung

»Bist du sicher, dass du da raus willst?«, ruft Liam gegen den Regen an, während wir noch in dem kleinen Vorbau stehen und ich meine Haare unter die Kapuze stopfe.

»Klar, das wird sicher erfrischend«, lache ich trocken und nicke ihm knapp zu, bevor ich in den Schauer hinaus husche und mit gesenktem Kopf durch die Pfützen einer alten Straße hin zu den nächsten Dächern laufe, unter deren Unterschlupf ich mich dann langsam fortbewege. Eine genaue Orientierung ist nicht möglich, denn die dunklen Wolken verhängen die Sicht und der Regen tut sein Übriges.

Mir bleibt also nichts, als mich auf mein Gefühl zu verlassen, und aus irgendeinem Grund weiß ich, dass es mich heute nicht trügen wird. Jeder Schritt, der mich weiter von Ciar entfernt, ist eine Wonne für meinen gepeinigten Geist. Meter für Meter fallen die Ängste und Sorgen von mir ab.

Was Manjana und Liam wohl unternehmen werden, um ihn daran zu hindern, mir zu folgen? Wird er es überhaupt versuchen, nachdem der andere Wächter gestern seine so überraschend überlegene Stärke bewiesen hat? Ich lache unterdrückt, als ich mir vorstelle, wie Jana und Liam Ciar unter Purnimas Protesten an einen Stuhl fesseln, um ihn davon abzuhalten, etwas Dummes zu tun. A’en würde sich sicherlich auch an dem Anblick erfreuen.

Mit einem Blick gen Himmel erinnere ich mich an ihn und daran, wie gern ich die Sonne wiedersehen würde. Die aus meiner alten Welt. Sicherlich scheint sie hier auch ab und an, aber sie erscheint mir eher wie die kühle Schwester des Himmelskörpers, den ich von daheim kenne. Ich habe in dieser Welt nur Herbst- und Wintermonate erlebt – und da wir noch Januar haben, weiß ich, dass ich dieses Wetter noch lange werde ertragen müssen. Es bliebt wie bei allem nur die Hoffnung darauf, dass irgendwann der Frühling kommt. Und dass mit ihm alles besser wird.

Schon bald erkenne ich, dass auch diese Stadt mit all ihren leerstehenden Häusern nicht anders ist als jede andere, in der wir bisher waren. Die meisten Gebäude sind zu einer braun-grauen Masse aus Schutt und Staub zerfallen, deren Trümmer Wind und Regen abtragen, um sie über die Straße zu spülen und im naturlosen Land zu verteilen. Skelette von Wolkenkratzern ragen instabil in die Lüfte und das Kreischen und Knarren ihrer Überbleibsel, die sich unter der zusätzlichen Last des Wassers beugen, dringt selbst durch das tosende Rauschen des Regens noch an meine Ohren.

Nur wenige Wohnungen und Häuser sind noch intakt und wenn sie so stabil aussehen, dass ich denke, sie betreten zu können, streife ich durch alte Leben und berühre die Vergangenheit. In einigen von ihnen finde ich Bilder, Möbel, heruntergefallene Sitzschalen und alte elektronische Geräte. Alles ist überzogen mit einer dicken Staubschicht und bis auf den fauligen Geruch, die feuchten Wände und die herunterhängenden Decken macht alles den eigenartigen Eindruck von Alltäglichkeit. Als könnten die ehemaligen Bewohner mit nur ein wenig Fantasie im nächsten Moment wieder durch die Tür spazieren, um ihrem gewöhnlichen Leben nachzugehen. Als würde nur ein bisschen Sauberkeit fehlen, um alles Vergangene wiederzubeleben.

Ob je wieder Menschen an diesen Orten wohnen werden? Dieser Gedanke scheint mir so überaus fremd und doch ist die Realisierung dieser Vorstellung der Grund meines Hierseins. Nur deswegen haben sie mich in diese Welt geholt, nur deswegen gebe ich mich all diesen Schrecklichkeiten hin. Und während ich gedankenverloren über den Rahmen eines alten Fotos streiche, von dem aus mich zwei sich umarmende Fremde breit anlächeln, wünsche ich mir, ich könnte tatsächlich mehr für diese Welt tun. Zumindest mehr als nichts. Aber ich bin unfähig, sowohl als Mensch als auch als das gottähnliche Wesen, das ich eigentlich sein sollte. Und als ich die Macht meiner Seele tatsächlich für einige Tage zu nutzen in der Lage war, verspürte ich nur Abscheu und Hass allen anderen Seelen gegenüber und war fast noch weniger in der Lage, etwas auszurichten als jetzt, wo mich diese Kreise auf den Handflächen bannen.

Ich sehne mich nach der Distanz, nach dem Zustand der wohlgesonnenen Endlosigkeit der Existenz. Und doch fürchte ich mich vor ihm mehr als vor allem anderen.

Ich streife lange Zeit durch das Erdgeschoss des Wohnhauses, in dem einst das Paar mit dem glücklichen Lächeln gelebt haben muss. Zu Staub zerfallene Papiere, abblätternde Tapete und komplett verfallene Zimmer können den Hauch von bunter Vergangenheit nicht vertreiben, der allem hier anhängt; der mich vergessen lässt, wer oder was ich bin.

Es ist ein freundlicher Lichtschimmer, der mich letztendlich wieder aus meiner Trance reißt und mich von der Leere vor mir aufschauen und zum Fenster hinübergehen lässt. In Richtung Westen ist noch immer die dunkle Gewitterfront zu sehen, die sich langsam von uns wegzuschieben scheint, und obwohl es noch aus allen Richtungen trippelt und tropft, steht nun die Sonne an einem so klaren Himmel, wie ich ihn seit Tagen nicht mehr gesehen habe.

»Endlich«, murmle ich nur für mich und gebe mich eine Weile dem Anblick hin, den die Straße nun bietet, bevor ich die Wohnung langsam verlasse und mich durch den Flur nach draußen begebe. Die Pfützen sind so groß und dicht beieinander, dass es kaum ein Durchkommen zu geben scheint, und an den Stellen, an denen sie kleine Wege bilden, hat sich tiefer Schlamm angesammelt. Trotzdem bannt mich das Bild, denn alles glitzert und glänzt im neuen Mittagslicht und die Wässer kräuseln sich nur noch leicht im aufgekommenen Wind.

Nachdem ich prüfend einen Blick an mir hinab geworfen habe, um zu schauen, ob meine Stiefel noch fest verschnürt sind, setze ich meinen Weg fort. Das erste Mal gelingt es mir nun, meinen Standort richtig einzuschätzen, denn über die mittelhohen Häuser dieser Wohnstraße hier hinweg ragen die Wolkenkratzer, die ich gestern schon schemenhaft bei unserer Ankunft wahrgenommen hatte. Nun wird es mir hoffentlich problemlos möglich sein, den Weg zurück zu finden – wenn ich ihn dann später finden möchte. Jetzt zieht es mich durch Gassen und Wege erst immer tiefer in die Stadt hinein und dann wieder hinaus. An den Straßenrändern liegen alte Levits und tatsächlich sogar noch einige Fahrzeuge mit Rädern. Je weiter ich in die Außenbereiche komme, umso größer werden die Trümmerhaufen, umso weniger intakte Gebäude gibt es noch. Und so schrecklich der Anblick auch sein sollte, er fasziniert mich doch gleichzeitig.

Wo man Natur erwarten würde, die sich ihr Gebiet zurückerobert, sehe ich nur Zerfall, und doch wirkt er schimmernd unter dem blauen Himmel und vor den Gewitterwolken, die immer weiter in den Hintergrund rücken. Und vielleicht sind es diese Momente, in denen ich weniger Mitleid habe, als ich vielleicht empfinden sollte, denn es weicht der Wut. Die Menschheit hat sich nicht nur selbst zerstört, sondern alles andere mit sich in den Tod gerissen. Wahrscheinlich hatten Glens Worte doch etwas Wahres. Wahrscheinlich ist es gar nicht so unrecht, dass die Überlebenden nun leiden.

Die Frage ist nur, wie lange noch. Ob uns ein Wiederaufbau gelingt oder nicht.

Um eine weitere Ecke biegend, die die Ruinen zu meinen beiden Seiten formen, betrete ich eine Straße, an deren Ende flaches Land und eine glänzende Ebene zu erkennen ist. Vielleicht ein See oder vielleicht nur eine große Pfütze, die sich innerhalb der letzten Tage dort gestaut hat. Das Licht, das sie reflektiert, blendet so weiß in meinen Augen, dass ich fast nichts sehen kann. Trotzdem verlangsame ich, angezogen von dieser Erscheinung, meine Geschwindigkeit nicht.

Ich klettere über einige größere Trümmer, hebe die Hand, um meine Augen vor dem Licht zu schützen und je näher ich komme, umso leichter fällt es mir wieder, etwas zu sehen. Nachdem ich mich aus dem Schatten einiger leerstehender Lagergebäude gestohlen habe, die verblüffenderweise im Gegensatz zum Rest der Umgebung noch recht stabil wirken, trete ich auf ebenes Land hinaus. Neben dem kleinen Meer aus flachen und vermutlich auch tieferen Pfützen sehe ich Moos und kleine Teppiche niedrigen Grases, die diese Fläche bewachsen.

Kann das Zufall sein? Seitdem ich in dieser Zeit bin, haben mir alle gesagt, dass auf natürlichem Wege und außerhalb der Gewächshäuser nichts mehr wächst, aber innerhalb weniger Wochen ist dies nun schon die zweite grüne Stelle, die ich sehe. Ist die Zeit gekommen, in der die Gifte der Kriege ihre Wirkung verloren haben? Die Zeit, zu der das Wasser wieder reiner geworden ist und die Schadstoffe abgebaut wurden? Oder sind es nur vereinzelte Phänomene, vollkommen unabhängig voneinander?

Ich gehe langsam weiter auf die Ebene hinaus, aber der Grund, auf dem Moos und Gras wachsen, ist so weich, dass ich mit jedem Schritt zentimetertief einsinke und irgendwann nicht mehr weiterkomme. Ob ich Glen über dieses Vorkommen berichten soll? Andererseits, was soll er schon damit anfangen? Als ich vor zehn Tagen aus Caen aufgebrochen bin, wusste er noch nicht einmal, ob er und die anderen den Planeten verlassen sollen und seitdem hat er sich trotz seines Versprechens nicht mehr gemeldet. Was gäbe es also schon, das ich ihm sagen könnte? Ihr seid jetzt sicher schon auf dem Pluto, aber ich wollte noch eben Bescheid geben, dass hier Gras wächst. Natürlich.

Und so stehe ich nur einige Minuten herum und atme die kühle und überraschend frische Luft ein. Ein wenig modrig ist sie, aber das gefällt mir, weil es mir lebendig und bekannt vorkommt. Nur das Zwitschern der Vögel fehlt, das leise Surren der Insekten vielleicht. Irgendein Zeichen von Lebewesen in dieser Stille. Aber ich denke, dass es so, wie es ist, auch schon gut sein kann.

Ich ziehe meine Füße aus dem Schlamm und gehe vorsichtig ein paar Schritte zurück, um nicht auszurutschen. Auf der Suche nach einem Trümmerteil oder einer anderen Möglichkeit, mich hinzusetzen ohne noch mehr durchnässt zu werden, spüre ich einen Funken Hoffnung in mir, fast ohne es zu wollen. Und ich möchte ihn aus meinem Herzen kratzen und im weichen Boden vergraben, auf dass er mit dem Gras wachsen würde.

Während meine Augen das Gebiet noch nach einer geeigneten Möglichkeit absuchen, vernehme ich jedoch ein Geräusch, das mich innehalten lässt und meine Gedankengänge unterbricht. Wie ein hohes Reiben von Metall an Metall klingt es zuerst; zumindest nehme ich das an, weil ich nichts Lebendiges mehr in meiner Nähe erwarte. Als das hohe Heulen jedoch seinen Ton ändert, um dann in ein knappes Jaulen überzugehen, läuft mir ein eiskalter Schauer den Rücken hinab und ruckartig sehe ich mich nach der Quelle um.

Ein großer, weißer Hund, der vor dem weit offenen Tor des vordersten Lagerhauses steht und mich aufmerksam mustert. Nein, kein Hund, denke ich noch im gleichen Moment. Ein weißer Wolf. Was tut er hier? Ist seine Existenz nicht unmöglich?

Ich habe mich noch nicht einmal entschieden, ob ich voller Furcht davonlaufen oder fasziniert näher treten soll, als er sich auch schon umwendet, um in der Halle zu verschwinden.

Es ist eine dumme Idee, ihm nachzugehen, weil ich erstens keine Waffe habe, um mich zu verteidigen und weil es zweitens unglaublich dumm wäre, ein lebendes Tier zu töten oder ihm auch nur zu schaden. Ganz abgesehen davon, dass ich also körperlich dazu nicht in der Lage wäre, würde auch mein Gewissen es nicht zulassen. Aber die Neugier siegt über jede Vernunft und so schreite ich langsam auf die kleine Ansammlung recht niedriger Lagerhallen zu und versuche schon jetzt, mit durch die Hand vor der Sonne abgeschirmten Augen in der Dunkelheit etwas zu erkennen.

Ein Wolf. Wie kann er hier überleben, gibt es doch nichts, das er jagen und fressen könnte. Andererseits schien er auch nicht übermäßig interessiert oder verwirrt durch meine Anwesenheit zu sein. Kennt er Menschen? Kommt er vielleicht wie auch die Schmetterlinge und der Falke aus Pandora?

»Hallo?«, flüstere ich überflüssigerweise und trete einen Schritt in die Halle hinein. Durch zahlreiche Löcher in den Wänden und im Dach fällt gleißendes Sonnenlicht ein, das den feuchten Boden mit gesprenkelter Helligkeit betupft, aber das Tier ist nirgends mehr zu sehen, so oft ich auch meinen Blick schweifen lasse. In den hinteren Bereichen des Gebäudes sind einige große Brocken etwa auf Bauchhöhe herausgebrochen. Wahrscheinlich ist er auf der anderen Seite wieder herausgelaufen.

›Hallo‹, kommt plötzlich die Erwiderung hinter mir und ich erschrecke mich so sehr, dass ich herumwirble und fast zeitgleich einen großen Sprung zurück mache. Herzflimmern, meine Beine sind weich, so schnell fließt das Blut plötzlich durch meine Venen, und der Umstand, dass ich im ersten Moment Ciar zu erkennen denke, macht es nicht besser.

Das Gegenlicht trübt meinen Blick und so realisiere ich nur langsam, dass er unmöglich mein Gegenüber sein kann. Die Silhouette, die nur als Schatten erkennbar ist, trägt ganz andere Kleidung – lockere Hosen, eine weite Jacke mit vielen Taschen und vermutlich einen Rucksack auf dem Rücken.

›Keine Angst‹, spricht der Fremde in unbekannter Stimme und kommt ein paar Schritte in den Raum hinein, sodass ich ihn besser sehen kann. Seine unschuldigen Augen und die abwehrend gehobenen Hände nehmen mir einen Teil meiner Angst, auch wenn ich auf diese Begegnung trotzdem so unvorbereitet wie möglich bin.

›Wer … bist du?‹, möchte ich wissen und trete meinerseits noch etwas weiter zurück, versuche den Dreitagesbart, die fingerlosen Lederhandschuhe und das Gesicht einzuordnen, doch selbst die Jacke, die der Mann trägt, ist aus einem vollkommen anderen, viel raueren Material als alle, die ich hier bisher gesehen habe.

›Ich habe dich erschreckt‹, nuschelt er in der Sprache von Glens Welt und ich strenge mich an, ihn überhaupt zu verstehen. ›Ich wollte mich eigentlich nicht zeigen, aber dann hat der Scheißköter mich ja verraten.‹ Als er lacht, klingt es nervös, und als hätte er auf sein Zeichen gewartet, kommt nun hinter ihm auch wieder der Wolf um die Ecke, der mich ebenso unergründlich wie sein Herr ansieht.

Ich schüttle den Kopf, als könnte mir das helfen, meine Gedanken zu ordnen, aber er scheint meine Geste des Unverständnisses sofort zu verstehen, denn er stemmt die Hände in die Hüften und lächelt versöhnlich. Seine Zähne sind ganz weiß.

›Ähm, also, bevor du fragst: Wir kennen uns nicht und ich lebe auch nicht hier. Ihr habt hier aber gestern Nacht ziemlichen Stress gemacht, glaube ich. Deswegen bin ich hergekommen, um nachzusehen, was hier vor sich geht.‹

›Stress?‹ Wie dumm ich mir dabei vorkomme, ihn so anzustarren, aber ich kann sein Hiersein und seine Erscheinung nur so schwer einordnen wie irgend möglich.

›Dieser Lichtblitz, der minutenlang bewegungslos in der Luft hing. Was war das?‹

›N-na ja, das passiert manchmal … wenn ich mich aufrege‹, versuche ich zu erklären, auch wenn die Wahrheit in diesem Fall konfuser klingt als jede Lüge es tun könnte.

›Dann hab ich richtig vermutet.‹ Während er mich ansieht, wippt er scheinbar unruhig auf und ab, sieht immer öfter auf seine Füße als in meine Augen. ›Du bist das Kernstaub-Mädchen, oder?‹

›Wer bist du denn?‹, stelle ich die Gegenfrage etwas zu plötzlich, was er unglaublich lustig zu finden scheint.
›Ich bin Soun‹, stellt er sich jetzt endlich vor.

›Soun?‹

›Ja, wie das altenglische Wort Song, nur anders geschrieben‹, murmelt er ein wenig abwesend. Sein ganzes Auftreten, wie er gestikuliert und nuschelt, macht auf mich einen verwirrten, ruhelosen Eindruck. ›Die Töle da hinten ist Kandis, ein Polarwolf. Er scheint dich zu mögen.‹

›Kommt mir nicht so vor‹, erwidere ich, während ich den etwas abschätzenden Blick des Wolfes untersuche. ›Und was treibt ihr hier?‹

›Wie gesagt, ich hab das Licht gesehen und …‹

›Nein, nein‹, falle ich ihm ins Wort und schaue mich unsicher in alle Richtungen um. ›Aus welcher Stadt kommt ihr? Oder besser: du? Warum bist du nicht mit allen anderen auf dem Raumschiff?‹

›Raumschiff? Ach so, deswegen hat es alle so plötzlich in den Norden verschlagen.‹ Er scheint erst seine eigenen Gedanken ordnen zu müssen und geht währenddessen einige Schritte auf und ab, murmelt leise vor sich hin und ich frage mich für einen Moment, ob er wohl Drogen genommen hat, weil seine Finger nicht aufhören wollen sich zu bewegen und seine Augen ruhelos umherhuschen. ›Ach so‹, schließt der Fremde seinen Gedankengang, sich dann aber wieder an mich wendend, ab. ›Ich komme übrigens aus keiner Stadt, ich bin Reisender.‹ Als ich ihn ungläubig anschaue, fügt er an: ›Deine Freunde nennen Menschen wie mich gern Streuner oder Wilde, aber so würde ich mich eigentlich nur ungern bezeichnen. Ich sehe auch irgendwie nicht wild aus, finde ich.‹ Er zupft ein bisschen verloren an seiner Kleidung, während ich noch immer versuche, schlau aus ihm zu werden. Aber seine irritierte Art lässt mich Vertrauen darin schöpfen, dass es sich bei ihm nicht um einen Feind handelt, also entspanne ich mich wieder ein wenig.

›Ist es denn … überhaupt möglich, hier draußen allein zu überleben?‹, hake ich stirnrunzelnd nach, doch er lacht nur.

›Was machen du und deine Freunde denn schon seit einigen Tagen? Ich lebe nicht anders als ihr, nur … dauerhafter.‹

›Und dein Wolf?‹

›Hey, sind wir hier in einer Fragerunde?‹

›Du hast mich doch angesprochen‹, kontere ich, was ihn aus dem Konzept zu bringen scheint. ›Was willst du von uns?‹
›Tja‹, sagt er und kaut eine Weile auf seiner Unterlippe, bis er den Blick senkt und seine Stiefel anlächelt. ›Ich dachte, es wäre ganz nett, mal wieder Menschen zu sehen. Also. versteh mich nicht falsch, ich lebe ja freiwillig allein, weil das alles Schwachsinn ist, was die anderen so treiben, und Tiere sind eigentlich eh eine bessere Gesellschaft als Menschen, aber so ab und an ein kleines Schwätzchen führen … das ist doch mal nett, ja.‹

Ich mache eine lange Pause, in der ich ihn untersuchend mustere, wie er immer mal wieder nach mir schaut, um dann wieder von einer Stelle auf die andere zu treten, als wäre er gar nicht in der Lage, still zu stehen.

›Du willst also mit in unser Lager kommen?‹

›Wenn du das Lager nennen willst, dann ja.‹

›Und warum lauerst du mir dann hier auf und gehst nicht zu den anderen?‹

Er legt seine Stirn in Falten, als hätte ich etwas Unmögliches von mir gegeben.

›Aber ich habe dir doch nicht aufgelauert. Ich bin dir gefolgt.‹

›Na, das ist natürlich viel vertrauenserweckender‹, provoziere ich, immer mehr Sicherheit schöpfend, während er abermals nicht zu wissen scheint, was er entgegnen soll.

›Ähm … also, deine Freunde … also, ich will ja nicht beleidigend sein, aber die sind schon irgendwie komisch. Nicht, dass du normal wärst, mit dieser Lichtblitz-Sache und so, aber ich hatte den Eindruck, dass man mit dir … na ja, eben eher reden kann.‹

›Wie lange hast du uns denn beobachtet?‹

›So … lange wie nötig? Hier draußen kann man immerhin niemandem trauen.‹

›Ja, wem sagst du das‹, lächle ich jetzt ergeben und wiege meinen Kopf hin und her. ›Ich kann das aber nicht allein entscheiden. Das würde …‹

›Ich will eigentlich auch nur bis zum Meer runter und dann lass ich euch auch schon allein. Ich meine, wenn ihr …‹ Er bricht ab und macht eine unbestimmte Geste mit seinen Händen, die ich nicht recht deuten kann. Aber seine Art bringt mich zum Lächeln, also nicke ich einfach.

›Ja, klar, also … ich denke nicht, dass die anderen damit ein Problem hätten.‹ Er ist groß und alles andere als schwächlich gebaut, aber er wirkt nicht wie jemand, der auch nur einer Fliege etwas zuleide tun könnte. Ich versuche bei meinen Überlegungen zwar den Umstand zu ignorieren, dass er mehrere Messer am Gürtel trägt, aber abgesehen davon wirkt er selbst noch harmloser als sein Begleiter.

›Super. Hast du noch etwas zu tun oder können wir dann zurück?‹, fragt er nach und scheint sich schon im gleichen Moment auf den Weg machen zu wollen, denn in Aufbruchsstimmung wendet er sich schon halb wieder um.

›In … Ordnung‹, murmle ich noch immer irritiert und wünschte, wir würden über zwei Orbits verfügen, damit ich mit den anderen sprechen könnte. Andererseits ist von ihnen vielleicht weniger Hilfe diese Entscheidung betreffend zu erwarten, als ich mir erhoffe. Immerhin bin ich sozusagen die Leiterin dieser Reise. Oder was auch immer. ›Aber wie gesagt muss ich das erst mal mit den anderen besprechen, ich kann das nicht allein …‹

›Ja, schon klar‹, fährt er mir dazwischen und ich verlagere mich wieder darauf, ihm angestrengt zu folgen, weil er in einem nahezu rasanten Tempo über einige Trümmer und Ruinen klettert.

›Weißt du denn überhaupt, wohin wir müssen?‹, rufe ich etwas lauter, wende mich noch einmal um, um mich misstrauisch nach dem Wolf umzusehen, der gemächlich in einigem Abstand hinter uns hertrottet.

›Klar. Wie gesagt, ich war dir ja gefolgt.‹

›Du sagst das, als wäre das etwas vollkommen Normales‹, stelle ich fest und weiß nicht, ob ich die Stirn in Falten legen oder schmunzeln soll. Der Fremde bleibt stehen, als hätte er sich spontan dazu entschlossen, den Anblick der Mittagssonne nun doch noch ein wenig genießen zu wollen, und als ich zu ihm aufschaue, grinst er schelmisch.

›Na ja, wenn man so lange allein lebt wie ich, dann weicht das Verständnis von normal und unnormal wohl ein wenig auf.‹

›Kann wohl sein‹, bestätige ich und falle in einen etwas langsameren Schritt, fest entschlossen, ihm noch ein paar mehr Informationen zu entlocken. ›Du sagst also, dass du aus keiner Stadt kommst? Brauchst du nicht manchmal neue Kleidung oder Ausrüstung?‹

›Ist ja nicht so, dass ich niemanden kenne.‹ Ich beobachte aufmerksam, wie er eine schmale Holzschachtel aus einer seiner Jackentaschen zieht und etwas daraus hervorholt. Noch bevor ich erkennen kann, was es ist, hat er es sich auch schon in den Mund geschoben, um darauf herumzukauen. ›Ich schaue ab und an vorbei, in der ein oder anderen Stadt, und man gibt mir, was ich brauche.‹

›Wie nett.‹

›Schon, wenn man davon ausgeht, dass ich eigentlich niemanden hier leiden kann.‹

›Und trotzdem reist du lieber in der Gruppe als allein?‹

›Vielleicht kommen wir gemeinsam ja schneller vorwärts‹, mutmaßt er und ich lache auf.

›Oh, das wirst du morgen sicher nicht mehr sagen, wenn du siehst, wie langsam ich laufe.‹ Er grinst ebenso wie ich, kratzt sich das raue Kinn, scheint aber nichts weiter dazu sagen zu wollen, also mache ich damit weiter, ihn auszufragen.

›Was suchst du denn am Mittelmeer?‹

›Das, was ich überall suche. Und du?‹

Ich stocke ob der nichtssagenden Artwort und der überraschenden Gegenfrage. Für einen Moment denke ich darüber nach, ebenso schwammig zu antworten wie er, aber seinen Andeutungen zufolge weiß er sowieso, wer und was ich bin. Und ich kann mir nicht vorstellen, was es schaden könnte, es ihm einfach zu sagen. Alles, was diese Welt braucht, ist ein wenig mehr Vertrauen, denke ich.

›Ich suche jemanden, der gestorben ist.‹

›Du suchst eine Qualle?‹, wiederholt er perplex und verschluckt sich beim Lachen fast an was auch immer er gerade kaut. ›Du weißt schon, dass da geschätzt … Milliarden herumschwimmen?‹

›Ja‹, seufze ich.

›Und selbst wenn du diese eine Qualle hast, wie willst du dann mit ihr … kommunizieren?‹ Sein abfälliges Lachen passt irgendwie nicht zu meinem bisherigen Eindruck von ihm, auch wenn dieser eh nur knapp ausfiel.

Und vielleicht macht es mich ein wenig wütend, denn anstatt die ganze Geschichte zu erläutern, wie geplant, grummle ich nur ›Lass das nur mein Problem sein‹ und schiebe seufzend meine Hände in die Taschen. Das Atemwölkchen wird vom kalten Wind hinfort getrieben und ich schaue mich nach den Hochhäusern um, um mich an ihnen zu orientieren.

›Entschuldige, ich wollte nicht lachen‹, grinst der Typ neben mir noch immer. Wie bei allen Menschen hier sagt sein Äußeres nichts über sein wahres Alter aus, was mich noch immer irritiert. Die EneCs, die sie sich zu diesem Zweck gespritzt haben, muss er also vermutlich auch bekommen haben, anders wäre er wohl kaum noch am Leben. ›Wen hast du denn verloren?‹

Ich hole Luft und fast möchte ich ihn darüber zurechtweisen, dass es keine lustige Angelegenheit ist, aber als ich meinen Blick in sein Gesicht hebe, ist das Lächeln bereits wieder von seinen Zügen verschwunden und Bedrücken ist an seine Stelle getreten. Deswegen schließe ich meinen Mund wieder und lasse mir Zeit mit der Antwort.

›Einen sehr guten Freund. Meinen besten, sogar.‹

›Wie traurig.‹

›Ja. Er starb meinetwegen.‹

›Tatsächlich?‹, hakt er nach, was ich nicht ganz verstehe, aber ich nicke bestätigend.

›Er ist mit mir gekommen, weil er mich von etwas abhalten wollte und ich konnte ihn nicht retten. Wäre er bei den … anderen geblieben oder wäre ich nicht so dumm gewesen, wäre das alles nicht passiert.‹

›Und doch wirkst du recht gefasst.‹

›Weil er sich an mich erinnern wird, wenn er wieder einen Körper hat.‹

›Was?‹

›Er erinnert sich immer an alles‹, seufze ich und versuche das Gefühl zu erforschen, das sich genau in diesem Moment in meinem Inneren ausbreitet. Es ist warm und angenehm, aber ich denke nicht, dass es von der Erinnerung herrührt. Nein, ich denke, es tut einfach gut, mit jemandem über ihn zu sprechen; mit jemandem, der sich noch nicht fälschlicherweise eine vorschnelle Meinung gebildet hat.

›Klingt nach einem Fluch‹, überlegt Soun laut und ich schaue zu meinen Füßen, als ich kaum merkbar nicke.

›Das wäre es nicht, wenn es nicht so viel Schlechtes gäbe, an das er sich erinnern muss. Es hätte mehr … gute Momente geben sollen. Mehr Glück.‹

›Und lass mich raten‹, setzt er wieder mit einem irritierenden Lächeln auf den Lippen an, ›dass dem nicht so war, ist auch deine Schuld?‹ Er fragt es, als wäre es ein Witz und doch, als würde er die Antwort sehr genau kennen.

›Ja‹, murmle ich matt. ›Ja, das ist es.‹

Abtrennung

Wie erwartet haben die Wächter nichts zu Souns Auftauchen gesagt, auch wenn Ciar und Nima ihn überaus skeptisch beäugt haben. Und auch, wenn ich fast gehofft hatte, einer von ihnen würde Einwände äußern, die den Neuankömmling zum Gehen drängen würden, bin ich am Ende doch froh, dass er bei uns ist, als wir die zweite Nacht in dem alten Haus in unseren Zelten verbringen. Er ist ein Mensch, im Gegensatz zu ihnen. Ich kann mich mit ihm unterhalten und in der Tat ist es ein gutes Gefühl, nach über 120 Tagen in dieser Welt mit jemandem sprechen zu können, der noch nie den Plan gehegt hat, mich umzubringen.

Wir schweigen, als wir zu Mittag essen und danach demonstriert Liam bereitwillig die Route, die wir geplant hatten, an der Soun keine Kritik zu haben scheint. Das verwundert mich etwas, denn fast hatte ich erwartet, er als Reisender würde Abkürzungen und Umwege wissen. Andererseits kann auch er nicht die ganze Welt kennen, denke ich. Im Anschluss besprechen die beiden Männer die Technologie der Zelte, nachdem auch Soun seines in unserem Unterschlupf errichtet hat. Ich folge ihren Gesprächen nur unaufmerksam, weil ich noch immer versuche, mich an diese neue Situation zu gewöhnen, und schlau aus dem nervösen, jungen Mann zu werden, der mit überraschender Bestimmtheit Anweisungen und Hinweise gibt. Er erklärt, dass die Schilde unserer Zelte so modifiziert werden können, dass sie auch draußen bei schwierigsten Wetterbedienungen sicher und fest stehen bleiben könnten.

›Es ist natürlich trotzdem besser, in Häusern wie hier unterzukommen, um die Materialien und die Energie zu schonen. Aber gerade wenn man rasch vorankommen will … ist das sehr nützlich.‹

Und als Soun irgendwann aus dem letzten – meinem – Unterschlupf kriecht und einen Blick auf seine Armbanduhr wirft, ist es Abend geworden und die Sonne bereits untergegangen. Ich habe keine Ahnung, was genau sie getan haben, aber nachdem der Neuankömmling Liam erklärt hatte, wie die Verbesserung der Zelte vonstattengeht, haben sie sich jedes einzelne vorgenommen. Ciar und Purnima waren wieder in den Nebenraum – vielleicht ein altes Arbeitszimmer – verschwunden, aber ebenso wie Manjana und ich schwiegen sie.

Und sie tun es auch jetzt noch, als wir wieder im Kreis sitzen und verschiedene Nahrungsmittel synthetisieren. Nachdem die Lampe gestern bei Liams und Ciars Kampf zu Bruch gegangen ist, sind die EneCs, die ich zum Leuchten bringe, die einzige Quelle von Helligkeit, aber sie spenden ein wundervolles, warmes Licht, das diesen kühlen Ort fast gemütlich erscheinen lässt.

›Machst du das Licht?‹, fragt Soun, der im Schneidersitz und den Rücken an die Wand unter einem Fenster gelehnt dasitzt. Er schwenkt ein alkoholisches Getränk in einer Tasse, das er jedoch nur ab und an skeptisch beäugt, ohne auch nur einen Schluck davon genommen zu haben. Ruhig kaut er auf einem Stöckchen herum, streift irgendwann sogar die dicke Schutzjacke ab, um sie über alle Köpfe hinweg in seinen Unterschlupf zu werfen.

›Ja. Das ist das einzige, das ich noch kann.‹

›Dann sind die Gerüchte also wahr‹, lächelt er versonnen. Ich denke, dass eigentlich nur noch ein Feuer in unserer Mitte und die Geräusche des Waldes fehlen, um den Eindruck eines Lagerfeuers zu vervollständigen, bei dem Geschichten ausgetauscht werden. Diese ruhige Stimmung gefällt mir überaus gut, ebenso wie die Möglichkeit, endlich wieder mit dem Fremden sprechen zu können, der den ganzen Tag seit unserer Ankunft zu beschäftigt dafür war. ›Der Kern hat dich berührt und du hast deine Kräfte verloren.‹

›So ist es nur halb wahr. Ich hatte diese Kräfte kaum eine Woche lang. Durch die Veränderungen, die meine Seele in letzter Zeit durchgemacht hat‹ – bei diesen Worten werfe ich Ciar einen vielbedeutenden Blick zu, den dieser nur mit einem matten Lachen kommentiert – ›habe ich sie zum ersten Mal in meiner Existenz nutzen können. Dann kam aber schon der Kern und hat alles zunichte gemacht.‹ Wie zur Demonstration zeige ich ihm meine Handfläche, auf der der blutrote Kreis zu sehen ist. Das Mal, mit dem er mich bei unserer Begegnung versehen hat.

›Aber was genau er getan hat, weißt du nicht, oder?‹

›Nein.‹ Und wahrscheinlich möchte ich es auch gar nicht wissen.

›Es ist schon eigenartig, wie viele sonderbare Menschen man in dieser Welt trifft, oder?‹

›Das nennt sich wohl natürliche Selektion‹, wirft Liam ein und sowohl Manjana als auch ich schauen ihn verwundert ob dieses spontanen Gesprächsbeitrages an. ›Immerhin muss es ja einen Grund haben, dass sie noch leben. Mit Normalität kommt man hier wohl nicht mehr zurecht.‹

›Und wenn hier einer normal war, dann ist ihm das mit dem Alter sicher auch vergangen‹, lacht Soun versonnen nickend. ›Vor allem, wenn man Keshet oder Caêm all die Jahre über ertragen musste.‹

›Kennst du sie tatsächlich alle?‹, möchte ich wissen und bevor er antwortet, stößt Soun einen leisen, hohen Pfiff aus, wartet einige Augenblicke und sieht erwartungsvoll zum Eingang, bis Kandis hereintrottet, und sich ohne die anderen Anwesenden zu beachten, an der Seite seines Herren niederlässt. Dieser zieht seinen in der Nähe liegenden Rucksack zu sich heran und kramt eine stiftförmige Spritze daraus hervor.

›Ja, wie gesagt bin ich viel herumgekommen‹, erklärt er dann, bevor er das weiße Fell des Wolfes am Nacken zusammenzieht und ihm die Impfung gibt. Vermutlich erfolgt sie schmerzfrei und ohne unangenehmes Stechen, wie es auch bei Sias Instrumenten in Pandora der Fall ist, denn das Tier blinzelt nicht einmal. ›Kandis hier zum Beispiel habe ich sogar von Keshet geschenkt bekommen.‹

›Sie hat ihn dir einfach so geschenkt?‹, frage ich und schaue interessiert dabei zu, wie er die Spritze wieder versaut, aber trotzdem weiter in der Tasche wühlt.

›Ja. Gemeinsam mit einem Jahresvorrat EneCs, die ich ihm wöchentlich verabreichen muss, falls das deine nächste Frage sein sollte.‹

Ich lächle nickend.

›Es blieb ihr aber auch nicht viel anderes übrig‹, erklärt er weiter. ›Er lief mir überall hinterher, als ich das erste Mal in Pandora war. Da war er noch ein Welpe.‹

›Süß.‹ Ich grinse bei der Vorstellung, als Soun offenbar findet, wonach er gesucht hat.

›Ah, wunderbar. Wo wir gerade bei den verschiedenen Städten waren, meine ich.‹ Er zieht unter großer Show eine viereckige Flasche mit schwarzweißem Aufdruck aus dem Rucksack und zeigt sie mir in fast andächtiger Geste. ›Das habe ich von Tiram aus Moskau bekommen‹, erklärt er. ›Ich glaube, das hier wäre doch eine gute Runde, um das edle Zeug endlich einmal auszutesten, oder?‹ Er grinst, als hätte er uns gerade die größte Freude der Welt gemacht, aber die Reaktionen sind wahrscheinlich nicht seinen Erwartungen entsprechend.

›Wir müssen leider passen‹, stöhnt Ciar, rappelt sich auf und zieht Nima an seinem Arm mit sich, die nur leise protestiert, sich aber doch widerstandslos in ihr Zelt drücken lässt.

›Aber das ist der beste Whiskey der Welt. Und das stimmt sogar, weil es nur noch extrem wenige Flaschen davon gibt.‹

›Wir trinken leider keinen Alkohol‹, sagt auch Liam in entschuldigendem Tonfall ab, bestätigt durch Manjanas Nicken.

›A-aber du willst doch, oder?‹, fragt Soun nun mit Hundeblick an mich gewandt. Ich bin unsicher, was ich ihm entgegen soll.

›Nun ja, ich weiß nicht‹, setze ich deswegen an und räuspere mich unangenehm berührt. Einerseits freue ich mich, dass er so freundlich zu uns ist, andererseits kenne ich ihn noch nicht lange und diese Welt hat mich gelehrt, niemandem zu vertrauen.

›Du denkst, ich will dich vergiften?‹, fragt er, als hätte er meine Gedanken gelesen, aber so schnell wie ich kann, schüttle ich den Kopf.

›Nein, nein, das ist es nicht. Wir hatten nur gestern Abend schon Alkohol und das ist nicht … sehr schön geendet.‹
›Denkst du, ich hätte nichts Besseres zu tun, als Fremde betrunken zu machen oder zu vergiften oder … was weiß ich?‹, will er wissen und die Mischung aus Belustigung und Skepsis in seiner Mimik irritiert mich kurz, wenn ich daran denke, wie unsicher und nervös er noch war.

›Das weiß ich ja eben nicht‹, erkläre ich mich kleinlaut, mit entschuldigendem Blick und schaue zu Manjana und Liam hinüber, die jedoch bereits wieder in teilnahmslose Beobachtung verfallen sind. ›Ich will wirklich nicht unhöflich sein und … das Angebot ist total nett, aber …‹

Soun seufzt leidend, aber noch bevor ich geendet habe, schiebt er die Flasche wieder in den Rucksack zurück.
›Schon gut, schon gut‹, fährt er mir matt lächelnd dazwischen. ›Dann eben die nächste besondere Situation.‹
›Du könntest ihn ja trinken, wenn die Erde gerettet ist‹, scherze ich und tatsächlich fällt er in mein leises Lachen mit ein. ›Das wäre wohl der beste Moment.‹

Abtrennung

Nacht und Ruhe kleiden Gedanken in dunkle Kleider und leiten sie auf schmerzvolle Wege. Dies sind die Momente, in denen ich mich in dich hüllen möchte wie in ein altes Laken, bis Fleisch und Verstand verschmelzen und nur noch Reue uns den Pfad zeigen kann. Wenn wir dem Leben zu viel von uns preisgegeben hätten, dann wäre es gekommen, um uns zu holen. Stattdessen faltet es sich noch immer in Schweigen und wir können nur auf Welten warten, auf Chancen, unser Vergehen wieder gutzumachen. Am diesem Ende aller Tage werde ich unter deine Decke schlüpfen und in dein Ohr flüstern, dass alles wieder gut ist. Selbst wenn du mich dann nicht mehr hören kannst.

Hast du schon einmal die Welt gekostet? Hättest du es getan, wärst du jetzt nicht mehr hier, denn sie schmeckt nach mehr als nach Liebe und Honig, nach mehr als Ewigkeit und Verfall. Sie schmeckt nach dem Vergehen der Seelen, denn wie alles andere zerbröckeln auch sie.

Am Anfang aller Dinge saßen wir in einem leeren Raum, mit nicht mehr als einem Lächeln und einem Versprechen.

Wie konnte das jemals genug sein?, fragte ich.

Wie wird es das jemals nicht sein können?, fragtest du.

Abtrennung

Fast bin ich froh, als Stimmen und Geraschel mich aus meinen wirren Träumen befreien und ich mich aufrichten kann. Noch bevor ich all die Decken wegschieben und den Eingang meines Zeltes öffnen kann, sehe ich durch das Schimmern der Plane, dass die Sonne bereits aufgehen muss und uns ebenso gutes Wetter erwartet wie gestern nach dem Regen.

›Mara, aufstehen‹, grummelt Ciar und pocht gegen mein Zelt, was ich mit einem leisen Stöhnen hinnehme und mich aufrapple. Noch während ich mir den Schlaf aus den Augen reibe und versuche, die Müdigkeit so gut wie möglich in die Winkel meines Körpers zu verdrängen, lausche ich den leisen Gesprächen. Es scheinen bereits alle wach und fertig zu sein; die Uhr verrät, dass es auch schon recht spät ist, um aufzubrechen, aber wenn die anderen es für akzeptabel befinden, dann werde ich dazu nichts sagen.

›Ich bringe schon mal die Rucksäcke raus‹, verkündet Nima tapfer, bevor Jana ankündigt, Essen im Vorraum zuzubereiten. Als ich den Eingang meines Unterschlupfes öffne, bin ich nicht nur allein im Raum, die anderen haben sogar schon ihre Zelte abgebaut und ich ärgere mich für einen kurzen Moment darüber, dass mich dieses Mal niemand wie sonst auch geweckt hat.

Beschließend, mir heute Abend einen Timer zu stellen, stemme ich mich etwas schwerfällig hoch und taumle ein paar Schritte zum Fenster hin, wo der erste Schimmer der Sonne gerade am Himmel zu sehen ist, der jedoch noch nicht ausreicht, um den Raum zu erhellen. Das tun die EneCs, die Licht in den dunklen Ecken spenden, an die es sonst noch nicht gelangt.

Ich klaube meine Kleidung aus einer der Ecken und ziehe mich rasch um. Ich habe nur noch ein sauberes Shirt, deswegen hoffe ich, dass wir in den nächsten Tagen einen Ort finden werden, an dem wir waschen können. Vielleicht kann Soun uns ja dabei behilflich sein, denke ich. Immerhin muss er im Laufe der Jahre seine Tricks entwickelt haben, um solche Dinge zu regeln.

Und gerade, als ich mich frage, wo genau er wohl sein mag, schiebt er seinen Kopf aus dem Nebenraum herein, um mir einen überschwänglichen guten Morgen zu wünschen. Gerade dabei, mir die Hose über die Knie zu ziehen, kippe ich vor Schreck fast um und werfe Soun doch nur einen halb so wütenden Blick zu wie beabsichtigt.

›Schön, dass du auch endlich wach bist, Dornröschen‹, scherzt er weiter und ich lache mit sarkastischem Unterton.
›Du bist ein Morgenmensch‹, stelle ich fest, was ihn noch mehr zu amüsieren scheint.

›Deine Freunde hier doch auch.‹

›Das sind nicht meine Freunde. Das sind nicht mal Menschen‹, grummle ich mit einem Grinsen auf den Lippen und er zieht die Augenbrauen hoch, als ich seine Vermutungen damit offenbar bestätige.

›Interessant. Hast du denn wenigstens gut geschlafen?‹, fragt er und kommt in den Raum, als ich fertig mit dem Ankleiden bin und meine Stiefel und die Schutzjacke rasch überstreife.

›Nun ja, trotz aller Befürchtungen hast du uns nicht im Schlaf erdrosselt.‹ Er lacht laut auf und übertönt damit meine nächsten Worte fast. ›Von daher hätte es also kaum besser sein können.‹

2 Wolkengedanken zu “Kapitel 4

  1. Ein neuer Mensch :) und dazu noch mit Wolf :) Ich finde es total spannend, dass Mara in dieser ausgestorbenen Gegend jemanden trifft und er sich ihrer Reise anschließt. Woher er wohl kommt und was sein Ziel ist? Ich frage mich auch, was es mit der weißen Stadt auf sich hat. Sie wird ja sicher noch eine Rolle spielen. Hier wird ja nichts einfach so erwähnt ;)
    Ciar ist und bleibt undurchsichtig. Aber ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, dass Mara immer wieder auf ihn reinfällt. Klar, sie verbindet mit ihm auch schöne Zeiten, aber das Schlechte müsste doch überwiegen. Spannend auch, dass Liam und Manjana anfangen, mehr zu sprechen und sich einzubringen. In Kernstaub hatte Manjana doch ganz zu Beginn das Gefühl eine Seele zu bekommen oder so etwas ähnliches. Vielleicht bleiben Wächter doch nicht immer zwangsläufig nur Wächter?
    Habe ich eigentlich etwas überlesen oder ist nicht ganz klar, warum Glen seit dem Ende von Kernstaub nicht mehr gut von Mara denkt, sich nicht mehr um sie kümmert und sich auch nicht mehr meldet?

    1. Hey Anna,
      ah, das stimmt, Soun ist lange eine sehr mysteriöse Person, aber ich liebe ihn und Kandis sehr. Es freut mich, dass du ihn interessant findest und er so viele Fragen in dir weckt.

      Glen ist ja leider ein sehr schwankender Charakter, der oft nicht einschätzen kann, woran er bei Menschen ist. Deswegen distanziert er sich lieber, bis er wieder sicherer ist. Außerdem hat Mara ihre Entscheidung getroffen und die beiden haben am Ende von Kernstaub praktisch Lebewohl gesagt, denn alle Zeichen standen ja auf “Abflug”.

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